Kreatives Chaos und starke Szenen

Lustige Clowns, tragische Gesten, spontanes Impro-Theater: Die Abschlusspräsentation der Offenburger Schultheatertage bietet ein Spektrum dessen, was Jugendliche in Workshops erarbeitet haben

Foto: Juliana Eiland-Jung

von Juliana Eiland-Jung, Badische Zeitung vom 02. März 2026

Die zum 18. Mal von der Jungen Theaterakademie angebotenen Schultheatertage sind ein etabliertes, bewährtes Format, das von seinem Schwung verloren hat. Über 300 Schülerinnen und Schüler zwischen sieben und 18 Jahren haben dieses Jahr teilgenommen. Für viele dürfte es das erste Mal gewesen sein, dass sie auf einer Bühne standen–und dann noch vor vollen Publikumsrängen!

Der Teilnehmerkreis hat sich gegenüber früher verjüngt

Bevor es losgeht, herrscht kreatives Chaos und Aufgeregtheit, doch dann klappt alles wie am Schnürchen. Die komplizierte Logistik, um die Darstellenden rechtzeitig aus dem Publikum hinter die Bühne zu bekommen, klappt reibungslos. Und die Stimmung könnte vor wie hinter der Bühne nicht besser sein. „Die Atmosphäre war auch in den Gruppen sehr gut“, berichtet Paul Barone, der zusammen mit Annette Müller durchs Programm leitete. Gegenüber früheren Jahren habe sich der Teilnehmerkreis verjüngt und auch die Frage, ob man sich drei Tage vom Unterricht befreien lassen kann, spiele heute eine größere Rolle, berichtet Barone. Am Ende jedoch überzeugt das Ergebnis, das einen kleinen Ausschnitt dessen zeigt, was die Kinder und Jugendlichen zusammen mit ihren Lehrkräften und den eigens engagierten Theaterpädagogen erarbeitet haben. Zum Beispiel haben sich 38 Schülerinnen und Schüler der Weingartenschule in Zell-Weierbach auf einen Trommelkurs mit Peter Heidler eingelassen und sorgen zum Auftakt des Programms am Freitagmittag ordentlich für Stimmung. Die Weingartenschule schickte außerdem ihre dritte Klasse als lustige Clowns auf die Bühne und sorgte mit den Bremer Stadtmusikanten für eine ungewöhnliche Interpretation dieses bekannten Märchens. Weil Esel, Hund, Katze und Hahn im Doppelpack auftraten, ist es kein Wunder, dass auch die furchterregendsten Räuber keine Chance gegen die Tiere haben.

Aschenbrödel und Schneewittchen dienen als Inspiration

Durch gleich zwei Märchen haben sich Schülerinnen und Schüler der 6.bis 9.Klassen des Klostergymnasiums, des Grimmelshausen-Gymnasiums und des Marta-Schanzenbach-Gymnasiums aus Gengenbach inspirieren lassen. Aschenbrödel und Schneewittchen, Zwerge und Heiratsanträge liefern reichlich Stoff, um in neue Rollen zu schlüpfen. Einige der Workshops greifen die Grundlagen des Theaterspiels auf, es gibt Bühnenkampf und choreografierte Szenen, Gesang und Tanz. So zeigen 13 Fünft- und Sechstklässler des Grimmelshausen-Gymnasiums und der Erich Kästner Realschule eine sehr beeindruckende Antwort auf die Frage, wie „Magic Moments“ –sprich starke Szenen– auf der Theaterbühne entstehen. Weitere teilnehmende Schulen, manche mit ganzen Klassen, andere mit kleineren Schülergruppen, waren die Anne-Frank-Schule, die Waldorf-Schule, die Lorenz-Oken-Schule, die Konrad-Adenauer-Schule, die Klosterschule, das Sozialpädagogische Gymnasium Wolfach und das Schiller-Gymnasium. Und was haben die Kinder und Jugendlichen bei dem Ganzen gelernt? Theaterspielen stärkt das Selbstbewusstsein, die intensive Gruppenarbeit in den Workshops fördert den Zusammenhalt, und wenn man nicht weiterweiß, heißt der nicht ganz ernst gemeinte Rat der Nachwuchsschauspieler: „Frag die KI–oder besser deine Mutter.

Direkte Begegnungen stärken

von Jenny Hilger, Offenburger Tageblatt vom 24. Februar 2026

Die 18. Offenburger Schultheatertage finden von morgen bis Freitag statt. Die Beteiligten freuen sich über die Vielfalt der Angebote und sehen im Theaterspiel eine Bereicherung für die Schüler.

Sich selbst ausprobieren, über den eigenen Schatten zu springen und sich auf der Bühne präsentieren: Das dürfen Schüler ab morgen, Mittwoch, wieder im Rahmen der 18. Offenburger Schultheatertage. Drei Tage lang, vom 25. bis 27. Februar, tauchen rund 350 Schüler aus 13 Schulen in 16 Workshops von professionellen Bühnenkünstlern und Theaterpädagogen in die Welt des Theaters ein. Die Abschlussveranstaltung, bei der alle Gruppen das Ergebnis ihres Workshops vorstellen, findet am Freitag, 27. Februar ab 13 Uhr in der Reithalle statt.

„Die Idee hinter den Theatertagen ist, drei Tage zu schaffen, an denen die Schüler Theater in seinen unterschiedlichen Facettenerleben“ erklärt Organisator Paul Barone von der Jungen Theaterakademie Offenburg den Gedanken hinter den alle zwei Jahr stattfindenden Tagen. Die bunte Vielfalt der Kurse erstreckt sich von Trommelkursen über Improtheater und Tanz bis hin zu den wahnsinnig beliebten Clowns. freut sich Co-Organisatorin und Theaterpädagogin Annette Müller.

Das Angebot ist für die Schulen kostenlos, „dank der Sponsoren“, bedankt sich Müller bei Anthea Götz vom E-Werk Mittelbaden. „Wir finden es toll, dass Schülern ein Umfeld geboten wird, in dem sie sich ausleben und in neue Rollen schlüpfen können. Es ist wichtig, sich selbst auszuprobieren und Neues zu wagen“, lobt Götz das neue Konzept. Die Persönlichkeitsförderung durch das Theater sei auch für das Berufsleben wertvoll. Weitere Unterstützer der Schultheatertage sind die Kunstschule Offenburg, die Tanzkurse anbieten wird, die Sparkasse und die Stadt Offenburg.

Von der Stadt war bisher Edgar Common, involviert, ab diesem Jahr übernimmt seine Nachfolgerin Antje Haury, Leiterin des Kulturbüros. Sie freut sich über das hohe Engagement der Organisatoren und lobt die Vielfalt der Workshops. Barone betont, wie wertvoll die Stadt als Unterstützung sei – auch, da viele Räumlichkeiten gestellt werden.

Schule hat sich verändert

Annette Müller hat das Gefühl, viele Kinder begegnen sich nur noch virtuell. Die Workshops sollen deswegen einen direkten Kontakt herstellen, ohne Handy dazwischen. Die Schultheatertage versuchen, Kommunikation, Begegnung und das Stärken des eigenen Selbst, auch gestützt durch die Gruppe, präsent zu halten, ergänzt Barone. Das sei für die heutige Generation oft schwierig, einerseits durch die Digitalisierung, andererseits habe sich aber auch das System Schule verändert.

Während der Gründer der Schultheatertage, Joachim Prasser, damals die Schule noch als offenen Ort der Begegnung erlebte, ginge es heute viel leistungsorientierter zu, erzählt Barone. „Die Lust am und das Bedürfnis nach Theater ist gleich groß, aber die Hemmschwelle ist größer.“ Heute fragen mehr Schüler besorgt, ob dann für den Workshop der Unterricht ausfalle und wie man den Stoff nachholen solle.

Deswegen habe sich auch das Alter der Interessierten verändert: Immer weniger Schüler der weiterführenden Schulen melden sich an, dahingegen wird es bei den Grundschulen immer mehr. Dort sind auch die Lehrer bei den Kursen dabei. „Sie sehen das als eine Art Fortbildung und nehmen Übungen auch mit in ihren Unterricht“, fasst Müller die Rückmeldungen der Lehrkräfte zusammen.

Colin Thiel ist als Bufdi bei der Theaterakademie in diesem Jahr dabei. Als Theaterbegeisterter war er 2017 selbst bei Kursen Teilnehmer. Er erinnert sich, wie schön es war, mit Leuten im gleichen Alter etwas auf die Beine zu stellen: „Das war unfassbar bereichernd und gemeinschaftsstärkend.“ Bei der positiven Erfahrung war es auch in Ordnung, dass er nie in den Kurs „Improtheater“ reingekommen ist.

Auch in diesem Jahr ist „Improtheater“ wieder beliebt, verrät Paul Barone. Müller ergänzt, dass der Trommelkurs sogar so beliebt sei, dass nächste Woche ein zweiter Kurs eingerichtet wurde, bei dem Grundschüler Trommeln bauen und damit Musik machen dürfen.

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